florian-von-der-muhle.jpgÖffentliche Sonder-Matinee Vorstellung der DEFA-Stiftung im 70mm Format
mit anschließendem Filmgespräch
am 23. November 2008  11.00 Uhr im Delphi Filmpalast am Zoo

Hauptmann Florian von der Mühle
DDR 1968,  Regie: Werner W. Wallroth

Vor 40 Jahren, am 21. November 1968, hatte die erste 70mm-Spielfilmproduktion der DEFA, “Hauptmann Florian von der Mühle” im Ostberliner Kino Kosmos seine Welturaufführung. Die breit angelegte, turbulente historische Komödie mit Manfred Krug in der Titelrolle war beim Publikum sehr beliebt und erlebte gerade auch in der 70mm-Version viele Einsätze. Allerdings überlebte keine 70mm-Kopie die Wirren der Zeit in Deutschen Archiven und so schien der Titel im breiten Format für die Nachwelt nicht mehr verfügbar. Nun aber offenbarte sich vor kurzer Zeit eine Quelle im Ausland und es bietet sich jetzt die Möglichkeit, zum 40. Premierenjubiläum dem interessierten Publikum diesen Film in historischer Pracht zu präsentieren.

Die Geschichte spielt zur Zeit des Wiener Kongresses. Der Müller und ehemalige Hauptmann Florian gab sein Geld für den Krieg gegen Napoleon. Nach dem Krieg wird ihm der Ersatz streitig gemacht, und für seine zerstörte Mühle soll er auch noch Steuern zahlen. Er wehrt sich gegen die Pfänder und macht sich auf nach Wien, um beim Kongress sein Recht einzuklagen. Auf dem Weg rettet er die Duchessa von Guastalla bei einem Überfall. Sie will in Wien auch ihr Recht, denn seine Majestät Franz II. macht ihr zugunsten seiner Tochter das Erbe streitig. Mit List, Glück und Degen kämpft Florian sich durch den Wiener Adelssumpf und dessen Geheimpolizei.

Neben Manfred Krug geben Regina Beyer, Rolf Herricht, Eberhard Cohrs und viele weitere bekannte Schauspieler ihr komödiantisches Talent zum Besten.

Die DEFA-Stiftung freut sich, die DEFA-Komödie im Kino Delphi Filmpalast am Zoo als 70mm-Kopie zu präsentieren. Veranstaltungen zu unterstützen, die DEFA-Filme im Originalformat zeigen und so ein Stück Kinokultur erhalten, ist eine wichtige Aufgabe der bereits zehnjährigen DEFA-Stiftung. Sie widmet sich neben dem Erhalt und Bekanntmachung des DEFA-Erbes auch der Förderung der deutschen Filmkunst und Filmkultur.

Eintritt:  8 Euro, Karten im Vorverkauf und 1/2 Stunde vor Beginn der Vorstellung
Delphi Filmpalast am Zoo, Kantstraße 12a, 10623 Berlin, Tel. 030-3121026

Hier noch einige Hintergründe zur Organisation der Veranstaltungen und Anmerkungen des Organisators Ingolf Vonau.

Außerdem die Pressemeldung zur 70mm-Restrospektive auf der Berlinale 2009.

Zum Clubabend haben wir gemeinsam über die Clubveranstaltungen des kommenden Jahres gesprochen. Die Ergebnisse sind demnächst auf der Seite »Termine« zu finden.

Außerdem feiert ANDYMON im Jahr 2010 sein 25-jähriges Jubiläum. Die Clubmitglieder haben beschlossen, dies mit einer größeren Veranstaltung zu feiern. Bis zur Weihnachtsfeier im Dezember wollen die Clubmitglieder konkretere Vorschläge unterbreiten. Mehr also demnächst an dieser Stelle.

Am 11. November um 19:30 Uhr fand im Max-Liebermann-Haus der Vortrag »Virtuelle Welten dank technischer Realität« im Rahmen der Veranstaltungsreihe Sonden in die Wissenschaft statt. Mit Prof. Dr. Hans Poser, Technische Universität Berlin und Christian Zöller, Lehrstuhl „Industrial Design“, Universität der Künste, Berlin. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

Selten war die öffentliche Vernichtung von Schriften ein befreiender Akt – man denke an Luther und die von ihm ausgelöste Reformationsbewegung – meist diente die symbolische Verbrennung von Büchern und Schriftrollen dem Anstoß zu einer systematischen Vernichtung – auch ihrer Verfasser – durch ein angeblich reinigendes Feuer.
Bekanntestes Beispiel ist die Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933, kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Sie war der Auftakt zu einer systematischen und zielgerichteten Vernichtung von Kulturgut in Deutschland. Man begann mit so genannten »Schwarzen Listen«, der Schaffung einer Reichsbehörde zur Überwachung von Schrift und Schriftstellern, der systematischen Aussonderung und Vernichtung von »schädlichem und unerwünschtem Schrifttum« und der Verfolgung der Autoren.
Und anschließend mussten die Sieger über Hitler und Goebbels den ganzen Schutt und Schund dieser Zeit einer erneuten Aussonderung in Köpfen und Bibliotheken unterziehen.
Dabei erfuhren die »Zukunftsromane« keine gesonderte oder gar bewusste Behandlung durch die jeweiligen Machthaber, es gab weder im Dritten Reich noch danach eine besondere Behandlung dieses Genres. Werke und Autoren landeten wegen ihrer linken Position, ihrer jüdischen Herkunft oder nach 1945 wegen des nationalistischen und kriegsverherrlichenden Gehalts auf den Listen. Überraschenderweise hat es einige Bücher doppelt erwischt. Hier ein Listenauszug mit sf-in-den-ns-listen.pdf und sf-in-den-sbz-listen.pdf. Die vollständigen Aussonderungslisten findet ihr hier.

An unserem Oktober-Clubtreffen berichtete Wolfgang Both über Science Fiction auf den Verbotslisten vor und nach 1945. Mehr zu diesem Thema gibt es an dieser Stelle in wenigen Tagen.

leiber_fsf-1969-07.jpgEine der nächsten Publikationen der Reihe »SF Personality« beschäftigt sich mit der Person und dem Werk von Fritz Leiber, dem Autor des Schwerter-Zyklus und einer ganzen Reihe interessanter SF-, Fantasy- und Horror-Storys. Leibers wurde vielfach mit Preisen ausgezeichnet, darunter mehrfach mit dem Hugo Award sowie dem World Fantasy Award.

Hardy Kettlitz stellte in seinem Vortrag am Clubabend die wichtigsten Werke des US-amerikanischen Autors vor.

pandora3.jpgMit Verzögerung erschien nun die dritte Ausgabe des Magazins PANDORA im Shayol-Verlag. Diesmal mit Erzählungen von Joe Haldeman, Joe Hill, Justina Robson, James Patrick Kelly, Tim Powers, Pat Cadigan und vielen mehr; dazu Essays von Brian Stableford, Graham Sleight, Adam Roberts, Stephen Baxter, Hardy Kettlitz, Jakob Schmidt, Fritz Heidorn und anderen; sowie ausgewählte Rezensionen. Weitere Informationen gibt es hier.

shayol_both_blaupausen.jpgVor 120 Jahren erschien der Roman Ein Rückblick aus dem Jahr 2000 auf 1887 von Edward Bellamy, einem amerikanischen Journalisten. Er schilderte ein ozialistisches Staatswesen und löste damit eine weitweite Begeisterung aus. Seit dem sind viele Utopien verfasst worden und die Literaturwissenschaft hat sich diesen Staatsromanen zugewandt. Aber eine Betrachtung der sozialistischen Gesellschaftsentwürfe und ihrer Verknüpfungen mit dem Industriezeitalter fehlte bisher.

Der Autor schlägt einen Bogen von der industriellen Revolution zur Arbeiterbewegung und ihrer Reflexion für eine sozialistische Gesellschaft in den literarischen Utopien.

Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen die utopischen Werke von Edward Bellamy bis Mack Reynolds. Neben diesen beiden amerikanischen Autoren kommen Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Russland und England zu Wort. Heute noch relevante Fragen, wie die gerechte Verteilung des sozialen Reichtums, der Zugang zu Bildung für alle, die Rechte der Frauen, die Rolle von Wissenschaft und Technik in unserer Gesellschaft oder die Energieversorgung werden in diesen Vorschlägen für eine bessere Welt beleuchtet. Portraits der Verfasser ergänzen die Zusammenstellung. Einige werden hier erstmals vorgestellt.

Sowohl die sozialistische wie die bürgerliche Literaturkritik haben diese Spielart der Utopien bisher immer ignoriert, ja abgelehnt. Die Sozialisten selbst verhängten ein „Bilderverbot“ über den zukünftigen sozialistischen Staat. Der Autor belegt dies anhand vieler Zitate von Marx, Engels, Lenin und weiteren Kritikern der Utopie. Doch die utopischen Werke durchbrechen dieses Verbot, regen auch heute zur Diskussion an und liefern Blaupausen für die Zukunft.

Wolfgang Both
Rote Blaupausen – Eine kurze Geschichte der sozialistischen Utopien
49,- EUR
ISBN: 978-3-926126-83-2

Beim Clubabend ging es diesmal um Weltuntergangsszenarien. Ralf Lorenz moderierte den Abend und schrieb im Vorfeld dazu:

In den letzten Jahren waren die Sommertreffen im Juli oder August traditionell dem Small Talk über Bücher vorbehalten. Ich habe mir überlegt, dass wir mal wieder ein »klassisches« SF-Über-Thema in den Mittelpunkt stellen, und zwar Weltuntergangsszenarien. Diese haben gerade Konjunktur, sowohl in der SF als auch außerhalb. Vielleicht habt ihr in letzter Zeit das eine oder andere in dieser Richtung gelesen und würdet es gern vorstellen? Den allgemeinen Background hatte Ralf Neukirchen bereits angesprochen:
Finden wir solche Weltuntergangsszenarien so schön (ein »wohliger Schauer« rieselt unserem Rücken herab), weil wir uns anschließend gemütlich in unseren Sessel zurücklehnen können, um selbst bei »realistischsten« Szenarien/Vorhersagen zu sagen: »So schlimm wird es ja nicht kommen!« oder »Bis es soweit ist, schau ich mir die Radieschen von unten an.« – Gibt es eigentlich »positive« Effekte bei der Leserschaft. Wollen die Autoren solche Effekte haben? Oder geht es nur um  Äktschen?

Doch es ging keineswegs um Action-Bücher, sondern vielmehr um literarische Weltuntergänge. So wurden Bücher von Cormac McCarthy (Die Straße), Robert Merle (Malevil) oder Arno Schmidt (Schwarze Spiegel) vorgestellt. Aber auch einige SF-Klassiker zum Thema kamen zur Sprache. Nicht zuletzt die grandiose Geschichte »Die neun Milliarden Namen Gottes« von Arthur C. Clarke. Ein anregender Abend, der mal wieder Lust auf interessante Bücher gemacht hat.

Terry Pratchett ist nach wie vor einer der beliebtesten Fantasy-Autoren, und dennoch eine Ausnahmeerscheinung. Es gibt viele Leser, die zwar Pratchett lesen, aber keine andere Fantasy anrühren. Pratchett versteht es auch nach Jahren, seine Leser immer wieder mit neuen Ideen zu amüsieren. Frank Güpner gab dem Club einen Überblick über das Schaffen des Autors und Pratchett-Übersetzer Bernhard Kempen erzählte von Schwierigkeiten der Übertragung des englischen Humors in die deutsche Sprache. Und schließlich gab er auch Auszüge aus seinen Übersetzungen zum Besten. Sicherlich für viele ein Anlass, mal wieder ein Buch des Autors in die Hand zu nehmen oder nach Neuerscheinungen Ausschau zu halten.


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