Ein Urgetüm der Science-Fiction: Percy Gregs “Across the Zodiac” (1880).
Die erste Planetenreise des 19. Jahrhunderts, die man echte Science Fiction nennen kann.
Die erste Marsfahrt von Menschen im SF-Zeitalter.
Die erste und alleinige Schilderung einer Mars/Venuszivilisation im 19.
Jahrhundert, die gedanklichen Tiefgang bieten kann (vor Kurd Laßwitz 1898).
Die erste interplanetare Liebesgeschichte.
Die erste Harem-Comedy.
Der erste Planetenroman, der ins Deutsche übersetzt wurde.
- nebst einiger namhafter Konkurrenten Percy Gregs um die Gunst des Publikums in den Jahren 1863-1880.

ZodiakusIm ersten Teil seines Vortrages beim heutigen Clubabend verhalf uns Harun Raffael zu einem Überblick über die Raumfahrtliteratur des 19. Jahrhunderts jenseits der bekannten Werke von Edgar Allan Poe (»Das unvergleichliche Abenteuer eines gewissen Hans Pfaall«) und Jules Verne (Reise zum Mond).

Im zweiten Teil ging es dann ganz konkret um ein weiteres Urgetüm der Science Fiction, nämlich Percy Gregs Roman Across the Zodiac (1880; dt. Jenseits des Zodiakus). Es handelt sich dabei um die erste Planetenreise des 19. Jahrhunderts, die man echte Science Fiction nennen kann, die erste Marsfahrt von Menschen im Science-Fiction-Zeitalter und die erste und alleinige Schilderung einer Mars-/Venuszivilisation im 19. Jahrhundert, die gedanklichen Tiefgang bieten kann (vor Kurd Laßwitz’ Roman Auf zwei Planeten, 1898). Obendrein die erste interplanetare Liebesgeschichte. Und es ist auch der erste Planetenroman, der ins Deutsche übersetzt wurde. Die Übersetzung erschien nicht nur 1882 auf Deutsch, sondern auch noch ein zweites Mal im Verlag Dieter von Reeken, der seit vielen Jahren auf verdienstvolle Weise Klassiker der phantastischen Literatur neu zugänglich macht. Allerdings ist diese Ausgabe auch schon längst vergriffen und nicht als E-Book verfügbar. Der englische Originaltext allerdings ist bei den großen E-Book-Händlern sogar kostenlos verfügbar.

Hugo Awards: von William Gibson bis Dan Simmons

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1985_nov_d1Kürzlich wurde das Buch Die Hugo Awards 1953–1984 von Hardy Kettlitz für den Kurd Laßwitz Preis nominiert. Demnächst erscheint der zweite Band und Hardy hat beim heutigen Clubabend  schon einen Vorgeschmack darauf gegeben, indem er über die Hugo-Preisträger aus den späten Achtziger und frühen Neunziger Jahren berichten. Besonders interessant sind die preisgekrönten SF-Sachbücher, die man selbst in Augenschein nehmen konnte, zum Beispiel Michael Whelans Works of Wonder, The World Beyond the Hill von Alexei und Cory Panshin, die gesammelten Cartoons von Charles Addams oder Die Bewegung von Licht in Wasser von Samuel R. Delany.

ANDYMON_OrwellWolfgang berichtete beim heutigen Clubabend darüber, dass der Verlag Volk und Welt tatsächlich plante Orwells Roman 1984 in der DDR im Jahr 1990 herauszugeben. Mit dem Ullstein Verlag war bereits eine Auflage von 3.000 Exemplaren vertraglich vereinbart. Aufgrund ausführlicher Recherchen belegte Wolfgang, wie es dazu kam, dass ein »antikommunistisches Hetzwerk« auf die Publikationsliste eines DDR-Verlages gelangte und wie sich der Blick auf Orwell seit dem Erscheinen von 1984 vierzig Jahre zuvor wandelte. Wolfgang hat mit Zeitzeugen gesprochen, sich durch zahlreiche Archive gewühlt (Bundesarchiv, Stasi-Archiv, Zeitungsarchiv, Literaturarchiv; nur das Archiv des US-Außenministeriums war nicht in der Lage, relevante Dokumente beizubringen) und erzählte die spannende Geschichte einer Fast-Edition.

Orwells_BuecherEin interessantes Detail ist übrigens, dass tatsächlich Bürger der DDR dafür verurteilt wurden, dass sie Orwells Roman gelesen bzw. besessen haben. Geschildert werden diese Fälle in der hier abgebildeten Broschüre George Orwells Bücher und wie sie Orwells Leser ins Zuchthaus führten von Baldur Haase, das 2005 vom Landesbeauftragten des Freistaats Thüringen für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR herausgegeben wurde.

Zelter Buch-Cover

Beim heutigen Clubabend stellte Christian Schobeß den Roman Schule der Arbeitslosen von Joachim Zelter ausführlich vor. Obwohl das Buch bereits 2006 erschienen ist,  spielt es doch in unserer Gegenwart, dem Jahr 2016, und der Autor erweist sich als sehr hellsichtig.
Eine Gruppe von Arbeitslosen fährt mit einem Bus der Bundesagentur für Arbeit zu einem neuen Schulungszentrum, genannt »Sphericon«. Abgeschnitten von ihren Familien, Freunden und Bekannten sollen sie innerhalb von wenigen Monaten mehrere Bewerbungstrainings durchlaufen und die Chance auf neue Arbeit erhalten. Doch vor Ort funktionieren die Maßnahmen wie eine Art Gehirnwäsche: Die Menschen sind nur noch bloße Versuchsobjekte. Vor allem zu dem Zeitpunkt, als eine einzige Stelle für einen Trainer bei »Sphericon« ausgeschrieben wird.
Ganz sicher handelt es sich nicht um  einen »typischen« Science-Fiction-Roman, dennoch fühlt sich der Genreleser auf sehr positive Weise an die eine oder andere klassische Dystopie erinnert.

Als Kontrastprogramm zu Zelters Roman stellt Lothar Powitz im Anschluss einen Kurzfilm aus der Frühzeit des US-Fernsehens vor, nämlich die originelle Folge »The Great Silence« aus der Fernsehserie Tales of Tomorrow, die am 20. Februar 1953 live gesendet wurde. Übrigens sind zahlreiche Folgen der Serie sowie der gleichnamigen Radioshow nicht nur auf youtube, sondern auch im Internetarchiv archive.org zu finden und kostenfrei anzuhören bzw. anzusehen.

Schwartz_ExpeditionenDer heutige Clubabend war so gut besucht, dass die Sitzplätze in unserem Clubraum nicht ausgereicht haben und wir zusätzliche Stühle besorgen mussten. Matthias Schwartz berichtete in seinem äußerst informativen und unterhaltsamen Vortrag über das Thema seiner Doktorarbeit, nämlich sowjetische Science Fiction von der Oktoberrevolution bis zum Ende der Stalinzeit. Dabei ging es nicht nur um die auch in der DDR erschienenen Klassiker der sowjetischen SF wie Alexander Beljajew, Alexei Tolstoi oder den schon vor der Oktoberrevolution verlegten Alexander Bogdanow, sondern vor allem auch um die Zeitschriften vor dem Zweiten Weltkrieg, die Verlagspolitik in der Sowjetunion, die Position des Schriftstellerverbandes und den Einfluss Stalins auf die Unterhaltungsliteratur. Wer nicht beim Clubabend anwesend sein konnte, aber alles ganz genau wissen will, dem sei ausdrücklich das kompetente Buch »Expeditionen in andere Welten« von Matthias Schwartz empfohlen. Im Anschluss beantwortete der Autor viele Fragen der Clubmitglieder und zeigte auch einige Schätze seiner Sammlung.

beispiele

My_Favorite_Martian_Ray_Walston_1963Wie reichhaltig das US-amerikanische Fernsehen an Science-Fiction-Serien in den 60-er Jahren war, konnten die Clubmitglieder am heutigen Abend erfahren. Im zweiten Teil seines Vortrags thematisierte Lothar Powitz diesmal die humoristischen Serien zu Themen wie Aliens, Roboter und Zeitreisen. Dabei gab es auch Ausschnitte zu sehen, die zum Teil echte Raritäten und nicht ohne weiteres zu erwerben sind. Der größte Teil davon ist nie in Deutschland ausgestrahlt worden.

Topper (1953–1955) gehört noch zu den frühen Comedy-Serien aus den 50-er Jahren und basiert auf den Romanen von Thorne Smith, die es auch in deutscher Übersetzung gibt und die bereits 1937 als Spielfilm umgesetzt wurden.

Ebenfalls noch aus den Fünfzigern stammt Johnny Jupiter (1953–1954). Die Außerirdischen in dieser Serie wurden zum Teil mit Handpuppen umgesetzt, wie man hier sehen kann.

In der damals sehr beliebten Comedy-Serie My Favorite Martian (1963–1966) strandet ein Marsianer auf der Erde und kann – ähnlich wie zwanzig Jahre später der beliebte ALF – nicht wieder in seine Heimat zurückkehren. 1999 gab es übrigens einen Spielfilm mit dem Titel Der Onkel vom Mars, der auf der Serie basiert.

Topper
The Jetsons
My Favorite Martian
My Living Doll
It’s About Time
The Second Hundred Years
Captain Nice , das Geheimnis der Blauen Tropfen
Mr. Terrific, Immer wenn er Pillen nahm
The Wild Wild West, verrückter wilder Westen
Mister Ed

Weit bekannter dürfte die Zeichentrickserie Die Jetsons (1962–1963) sein, da sie auch in Deutschland zu sehen war. Hier geht es zwar nicht um Außerirdische, dafür spielt die Serie der Familie Feuerstein-Schöpfer in der Zukunft und präsentiert viele sehr lustige Ideen und Gags. Hier zum Beispiel gibt es ein Video über die erstaunliche Zukunftstechnologie der Jetsons.

Die Roboter-Comedy-Serie My Living Doll (1964–1965) nahm die Idee der Bezaubernden Jeannie vorweg, denn hier lebt eine schöne Roboter-Frau bei einem alleinstehenden Mann, der zwar kein Astronaut ist, aber in einem astronomischen Forschungsinstitut arbeitet.

Auch zwei witzige Zeireiseserien gab es: It’s About Time (1966–1967) war eher albern und wenig erfolgreich, The Second Hundred Years (1967–1968) lief sogar mit einigen Folgen damals im deutschen Fernsehen.

Zwei Comedy-Serien, in denen den Protagonisten mit Hilfe »wissenschaftlicher« Methoden Superkräfte verliehen wurden, entstanden sogar gleichzeitig. Captain Nice (1967 mit 15 Episoden) hieß im deutschen Fernsehen Das Geheimnis der Blauen Tropfen und wurde pro Folge leider stark gekürzt. Die etwas bessere Serie Mr. Terrific (1967 mit 17 Episoden, produziert von Jack Arnold) wurde bereits 1970 unter dem Titel Immer wenn er Pillen nahm im deutschen Fernsehen gezeigt und mehrfach wiederholt.

Eine Ausnahmeserie war The Wild Wild West (1965–1969), die zwar im Wilden Westen spielt, aber viele SF-Elemente enthält. Unter dem Titel Verrückter Wilder Westen gab es einen großen Teil der Serie auch in Deutschland zu sehen. Der Kinofilm Wild Wild West (1999) mit Will Smith in der Hauptrolle ist zwar eine Neuverfilmung der Idee, fängt die Stimmung der Serie aber nur bedingt ein.

Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte die Titel der Serien mal bei Youtube eingeben, dort gibt es so manches zu entdecken. Viel Spaß!

Lost_in_SpaceLothar Powitz erzählte beim heutigen Clubabend über US-amerikanische SF-Fernsehserien der 1960er-Jahre jenseits der allseits Bekannten wie Star Trek und The Twilight Zone. Interessant dabei ist zum Beispiel Lost in Space (1965–1968), die in Deutschland unter dem Titel Verschollen zwischen fremden Welten lief. Die 60er-Jahre waren offenbar ein gutes Jahrzehnt für den SF-Serienproduzenten Irwin Allen, der neben Lost in Space auch die Serien   Land of the Giants (1968–1970), Voyage to the Bottom of the Sea (1964–1968; dt. Die Seaview – In geheimer Mission) und The Time Tunnel (1966–1967; dt. Time Tunnel) produzierte.

Interessant waren aber auch die Ausführungen über The Invaders (1967–1968; dt. Invasion von der Wega) und die nie in Deutschland gezeigte Serie The Outer Limits (1963–1965).

Außerdem hat Lothar die Liste der Writers Guild of America zu den 101 bestgeschriebenen Fernsehserien vorgestellt, die hier zu finden ist. Im nächsten Monat geht es weiter, dann mit humoristischen SF-Fernsehserien der 60er-Jahre. Wir sind gespannt!

Die Hugo Awards – Neue gefährliche Visionen

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DangerousBeim heutigen Clubabend erzählte Hardy Kettlitz ein weiteres Mal über die Gewinner des renommierten Hugo Award. Diesmal ging es um die frühen 1970er-Jahre und um einige gefährliche Visionen. Nicht nur um die großartige Anthologie von Harlan Ellison, sondern auch um Romane und Erzählungen von Philip José Farmer, Ursula K. Le Guin, Fritz Leiber, Theodore Sturgeon, R. A. Lafferty, Robert Silverberg und viele andere. Details dazu sind nachzulesen im Buch Die Hugo Awards 1953–1984.

Vor wenigen Wochen wurde der Hugo Award 2015 verliehen und wir haben über die Gewinner (nachzulesen auf der offiziellen Seite des Hugo) und den gescheiterten Putschversuch der Sad Puppies diskutiert. Ein interessanter Artikel dazu ist zu finden bei Der Standard.

Der Mond in Pop- und Rockmusik

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Full Moon732X520Für den heutigen Clubabend bei sommerlichem Wetter hat Wolfgang Both wieder interessante Informationen über Musikstücke zusammengetragen. Diesmal war das Thema der Mond. Nun gibt es eine ganze Reihe Songs, die tatsächlich die Reise zum Mond thematisieren. Oftmals ist der Mond jedoch in den Songtexten ein Symbol für die romantischen Nachtstunden, die große Liebe oder die Sehnsucht nach der Ferne. Joe Cockers »The Moon is a Harsh Mistress« geht allerdings direkt auf den gleichnamigen Roman von Robert A. Heinlein zurück. »Man in the Moon« von R. E. M. war sogar ein richtiger Hit.

Vielen Dank an Wolfgang für den interessanten Abend!

Die Andymon-Leseempfehlungen

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So_Great!Beim heutigen Clubabend gab es seit längerer Zeit einmal wieder einen Austausch über Leseerfahrungen der letzten Zeit. Jedes Clubmitglied konnte ein Buch empfehlen, das besonders beeindruckt oder besonders Spaß gemacht hat, oder vielleicht auch nur außergewöhnlich spannend war. Das Motto war also »What Makes This Book So Great«, was übrigens auch der Titel eines besonders empfehlenswerten Sachbuchs von Jo Walton ist, die vor  nicht ganz zwei Wochen dafür den LOCUS AWARD als bestes Sachbuch erhalten hat. Hier folgt also die

Andymon-Leseempfehlungsliste

  1. Andreas Brandhorst: Ikarus (2015, Heyne)
  2. Marc Elsberg: BLACKOUT – Morgen ist es zu spät (2013, Blanvalet)
  3. Blake Crouch: Die Wayward-Pines-Trilogie (2013, AmazonCrossing)
  4. Harlan Ellison: Ich muss schreien und habe keinen Mund (Erzählungen, 2014, Heyne)
  5. Jo Walton: What Makes This Book so Great (2014, Tor Books)
  6. Chris Beckett: Die Messias-Maschine (2012, Bastei-Lübbe)
  7. Jasper Fforde: Grau (2012, Eichborn)
  8. Tom Hillenbrandt: Drohnenland (2014, KiWi)
  9. George Orwell: 1984 (diverse Verlage)
  10. Joe Haldeman: Der ewige Krieg (2014, Heyne; Neuübersetzung der vom Autor erweiterten und überarbeiteten Fassung)
  11. Wolfgang Jeschke: Das Cusanus-Spiel (2008, Knaur)
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