Neuausgabe von Edward Bellamy

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Bellamy-Rueckblick_408Am heutigen Clubabend stelle Wolfgang Both die von ihm herausgegebene Neuausgabe des Romans Rückblick aus dem Jahre 2000 von Edward Bellamy vor. Das Buch ist kürzlich im Golkonda-Verlag erschienen und enthält nicht nur die Übersetzung von Clara Zetkin, sondern auch ein langes Vorwort von Wolfgang Both, in dem er ausführlicher als alle anderen Publikationen auf das Leben von Bellamy eingeht und die Wirkung des Buches vor allem im deutschsprachigen Raum erläutert. Im Anhang gibt es einen aussagekräftigen Auszug aus Bellamys Roman Equality und eine Rezension des Rückblick von William Morris.

Die Clubmitglieder erhielten einen ausführlichen Einblick in Bellamys Leben und Schaffen und einige neue Erkenntnisse, die weit über Wolfgangs Vorwort hinaus gehen. Außerdem konnten wir diverse alte Ausgaben des Buches bewundern. Trotz des Alters des Romans ein sehr unterhaltsamer und informativer Vortrag. Vielen Dank, Wolfgang!

Nähere Einzelheiten zum Buch sowie eine längere Leseprobe, die auch Wolfgangs Vorwort enthält,  gibt es übrigens auf der Homepage des Golkonda Verlags.

Zukunftsforschung und Science Fiction

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steinmueller_andymonZukunftsforschung ist Unwissenheitsmanagement und SF macht mögliche eintretende Szenarien erlebbar. So kann man den Inhalt des Vortrages von Karlheinz Steinmüller zusammenfassen, den er höchst kurzweilig und wie immer charmant unterstüzt von Frau Angela, bei unserem Clubabend im März hielt. Wer von den Gästen Karlheinz’ Vorträge noch nicht kannte, dürfte angenehm überrascht worden sein. Viele der Clubmitglieder waren nicht zum ersten Mal mit dabei und hatten sich entsprechend pünktlich und zahlreich eingefunden.

Nach einem kurzen Überblick über zeitgenössische praktische Einsatzgebiete der Zukunftsforschung, die sich – wen wundert’s – zunehmend auf internetbasierten Analyseplattformen abspielen, ging Karlheinz Steinmüller auf die geschichtliche Entwicklung dieser Wissenschaftsdisziplin ein.

Mit Frederick Pohl gesprochen, besteht die Funktion guter SF in diesem Zusammenhang darin, dass sie – historisch betrachtet – zwar nicht das Automobil in seiner konkreten Form voraussagen können muss, dafür aber Überlegungen zu den gesellschaftlichen, ökonomischen, ökologischen Wirkungen etc. einer solchen Erfindung anstellen kann.

Karlheinz Steinmüller ging auf die Funktion der SF als Ideengeber für wissenschaftliche Entwicklungen u. a. am Beispiel einiger Raumfahrtpioniere ein und stellte klassische Leitbilder der Technikentwicklung des letzten Jahrhunderts vor, die ihre Ausprägung zuerst in (wissenschftlichen) Utopien fanden.

Im letzten Drittel des mit zahlreichen Beispielen und einigen typischen Steinmüller-Anekdoten gespickten Vortrages ging es um »Schwache Signale«, womit heute schon identifizierbare Trends künftiger Veränderungen gemeint sind, und um »Wildcards«, Ereignisse mit relativ geringer Eintrittswarscheinlichkeit also, die, falls sie passieren, drastische Abweichungen der prognostizierbaren Zukunft mit sich bringen.

Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung, bei der wir nach der Pause noch etwas mehr aus der persönlichen Sicht der Steinmüllers zu ihrer Entwicklung als Autoren und Wissenschaftler erfahren konnten, da sie von Meo Mespotine für seinen Podcast/Blog über Ost-SF interviewt wurden.

Philosophie und Science Fiction

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Frey_Ph&SFBeim außergewöhnlich gut besuchten Clubabend war diesmal der Sachbuchautor Hans Frey zu Gast. Vor kurzem erschien beim Berliner Shayol-Verlag sein Sachbuch Philosophie und Science Fiction, in dem er auf sehr unterhaltsame Weise die Zusammenhänge zwischen den beiden titelgebenden Themengebieten erläutert. Am Clubabend las Hans Frey zunächst aus den grundlegenden Kapiteln des Buches und erzählte über seine Leseerfahrungen unter dem außergewöhnlichen Blickwinkel der Philosophie. Dabei ging es um Fragen wie:

Was haben Platon und Aristoteles mit Science Fiction zu tun?
Warum wäre die SF ohne Kopernikus, Newton und Descartes nicht denkbar?
Wieso sind Darwin, Einstein und Freud für die SF unverzichtbar?
Weshalb lebt die SF auch von Schopenhauer und Nietzsche?
Sind Kant, Hegel und Marx heimliche Philosophen der SF?

Weitere Informationen gibt es direkt auf der Homepage des Verlags.

Ein Urgetüm der SF

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Harun Raffael hat sich für den heutigen Clubabend mit einem weitgehend unbekannten Buch des französischen Autor C. I. Defontenay auseinandersetzt, über den selbst die englische Wikipedia nur vier Zeilen zu berichten weiß. Star, ou Psi Cassiopea erschien bereits 1854 und ist eine Art Proto-Space-Opera, ein Weltenbildnis weit jenseits der Erde in einem fernen Sternsystem. Außergewöhnlich ist an diesem Buch, dass es sich bereits zu einem so frühen Zeitpunkt – Jahrzehnte vor Jules Vernes Hauptwerk – mit dem Leben auf einem fernen Planeten auseinandersetzt und die dortige Gesellschaft über ganze Zeitalter hinweg verfolgt. Noch außergewöhnlicher ist, dass die Geschichte teil in Versen erzählt wird, die sich mit Prosapassagen abwechseln. Die allseits bekannte Sachliteratur zur Geschichte der Science Fiction erwähnt den Autor so gut wie gar nicht. Deshalb ein ganz besonderer Dank an Harun, dass er diese Kuriosität entdeckt, auf französisch gelesen und für uns ausführlich analysiert hat.

Nachfolgend der Originaltext aus dem Jahr 1854, zur Verfügung gestellt von GALLICA, einem Projekt der Bibliothèque nationale de France. (Flash erforderlich.)

Wer das Dokument hier nicht lesen kann, kann diesem Link folgen.)
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Interstellare Reisen

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Beim heutigen Clubabend ging es nur am Rande um Science Fiction, sondern vielmehr um Machbarkeit und Wahrscheinlichkeit von Raumschiffantrieben, die eine interstellare Raumfahrt möglich machen könnten. Christoph Heidrich gab in seinem Vortrag zunächst einen interessanten Überblick über das astronomische Umfeld unseres Sonnensystems und die nächstgelegenen Sterne. Anhand von Zahlen und Grafiken machte er deutlich, wie groß die Entfernungen zu anderen Gestirnen tatsächlich sind. Die benötigten Energiemengen zur Beschleunigung eines Raumschiffes sind enorm und mit heutiger Technik oder der Technik in nächster Zukunft nicht zu erzeugen.

Übrigens wird die ESA am 20. Dezember 2013 die Weltraummission GAIA („Globales Astronomisches Interferometerfür die Astrophysik“) starten. GAIA hat die Aufgabe, insgesamt eine Milliarde Sterne mit bis dahin unerreichter Genauigkeit kartographisch erfassen. Über den Missionsverlauf und die Erfolge kann man sich auf dem Gaia Blog der ESA informieren.

Christoph kam dann auf spekulativere Antriebsformen zu sprechen, zum Beispiel mit Hilfe von Antimaterie. Eine interessante und leicht verständliche Quelle zu diesem Thema ist das Buch Antimaterie – Auf der Suche nach der Gegenwelt von Prof. Dieter B. Herrmann. (Das Interview mit Prof. Herrmann zu diesem Buch aus ALIEN CONTACT 34 ist hier zu finden.)

Schließlich kam Christoph aber doch auf einige SF-Romane und -Erzählungen zu sprechen, die ein halbwegs realistisches Bild der interstellaren Raumfahrt zeichnen. Dabei brachte er den hierzulande noch recht ungebräuchlichen Begriff »Mundane Science Fiction« ins Gespräch, womit eine »realitätsnahe Science Fiction« gemeint ist. Der Autor Geoff Ryman hat sich auf diesem Gebiet besonders engagiert und für INTERZONE #216 (Juni 2008) eine Art Manifest der Mundane SF verfasst.

Wer sich übrigens für die  astronomischen Themen aus Christophs Vortrag weitergehend interessiert, dem sei der Audio-Podcast Sternengeschichten wärmstens empfohlen. Der Astronom Florian Freistätter erzählt in kurzen Einzelfolgen über grundlegendes Wissen zur Astronomie, aber auch über neueste Forschungserkenntnisse.

Britische SF-Fernsehserien – Teil 2

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pathfinderBeim heutigen Clubabend präsentierte Lothar Powitz den zweiten Teil seines Vortrages über britische SF-Fernsehserien. Zunächst gab es einen kurzen Rückblick auf das Serial Quatermass II aus dem Jahr 1955. In einem kurzen Ausschnitt wurde deutlich, dass das britische Fernsehen zu diesem Zeitpunkt bereits wesentlich »fremdartigere« Invasoren präsentierte als die amerikanischen Programme – und auch als das Kino der fünfziger Jahre. Die britischen Fernsehzuschauer wurden entsprechend vorgewarnt: »Diese Folge ist für Jugendliche und Personen mit schwachen Nerven nicht geeignet.«

Im Anschluss daran wurden das – leider nur bruchstückhaft erhalten gebliebene – Serial A for Andromeda (1961, mit Julie Christie als »Andromeda« in ihrer ersten Rolle!),  dessen Fortsetzung The Andromeda Breakthrough (1962) sowie das Remake A for Andromeda (2006) behandelt.

Zuletzt wurde ausführlich die Trilogie Pathfinders in Space (Pathfinders in Space – 1960, Pathfinders to Mars – 1960/61, Pathfinders to Venus – 1961) vorgestellt. Diese am Sonntagnachmittag ausgestrahlten Serials richteten sich zwar vorrangig an Kinder und Jugendliche, hatten aber auch viele Fans unter den erwachsenen Zuschauern.

Britische SF-Fernsehserien der 1950er Jahre

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Quatexp01Am heutigen Clubabend gab Lothar Powitz mit vielen Details einen interessanten Überblick über die britischen SF-Serien der 1950er Jahre. Dabei gab es zu erfahren, dass bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in den späten 1930er Jahren SF-Themen im britischen Fernsehen zu sehen waren. Leider gibt es aus dieser Zeit keine Aufzeichnungen.

Einen besonderen Schwerpunkt legte Lothar auf die herausragende Serie The Quatermass Experiment, die bereits 1953 von der BBC gesendet wurde und aus der 1955 ein erster Spielfilm entstand. Wir erfuhren von den Unterschieden zwischen Serie, Spielfilm und dem Live-Remake der BBC aus dem Jahr 2005. Dabei spielte der sehr produktive und einflussreiche Drehbuchautor Nigel Kneale keine unwesentliche Rolle.

Zum Abschluss gab es schließlich noch Ausschnitte aus der 1958 entstandenen Fernsehserie The Invisible Man.

Beim nächsten Clubabend wird es dann um britische Serien aus den 1960er Jahren gehen.

Roboter in der Pop- und Rockmusik

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Der Roboter ist ein häufiges Motiv in der Popmusik, spätestens seit Kraftwerks »Die Roboter« (1978). Wolfgang hat beim heutigen Clubabend nicht nur aufgezeigt, wer alles über Roboter gesungen hat, sondern auch mit welcher Intention. So gibt es Songs über Roboterliebe, aber auch über Roboterrevolutionen. Und natürlich den einen oder anderen Song, der sich direkt auf SF-Literatur bezieht, wie »Marvin, the Paranoid Android« von Stephen Moore oder »I, Robot« von Alan Parsons Project. Dabei ist die Spannweite der Texte ebenso wie sonst in der Popmusik von tiefsinnig bis banal. Ein interessantes Thema an einem warmen Sommertag!

Ray Bradbury – das Spätwerk

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Ray_Bradbury_(1975)_Im dritten und abschließenden Teil des Vortragsmarathon über Ray Bradbury erzählte Hardy Kettlitz über das Spätwerk (1970 bis 2012) des im letzten Jahr verstorbenen Autors. Mit insgesamt rund acht Stunden, verteilt auf drei Clubabende, war dies wohl der längste Vortrag in der Geschichte unseres SF-Clubs. Dabei konnte der Vortragende gar nicht auf alle Aspekte von Bradburys Schaffen eingehen, denn in seiner jahrzehntelangen Autorenkarriere hat Bradbury so viele Erzählungen, Romane, Drehbücher, Gedichte und Theaterstücke geschaffen, dass man sie noch nicht einmal alle erwähnen konnte. Im zweiten Teil des Clubabends ging es dann um die Spielfilme und Fernsehserien, die auf Bradburys Erzählungen basieren bzw. für die er Drehbücher geschrieben hat, so zum Beispiel einzelne Folgen aus »Alfred Hitchcock präsentiert«, den Truffaut-Film »Fahrenheit 451«, die internationale Koproduktion »A Sound of Thunder« und natürlich auch um die Serie »The Ray Bradbury Theater«.

Ein besonderer Höhepunkt des Abends war der überraschende Auftritt von Bernhard Kempen, der eine deutsche Version von Rachel Blooms Hugo-nominiertem Song »Fuck Me, Ray Bradbury« mit Gitarrenbegleitung sang.

Neuerscheinungen bei Golkonda und Shayol

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Walton-Welt_408Am heutigen Clubabend stellten unsere beiden »Hausverlage« Golkonda und Shayol ihr Neuerscheinungen und laufenden Projekte vor.

GOLKONDA: Hannes Riffel erzählte über die aktuellen Titel bei Golkonda. Das Frühjahrsprogramm 2013 ist das umfangreichste, das der junge Verlag jemals herausgebracht hat. Und die Bandbreite an Themen ist enorm: Angefangen bei einem sehr literarischen Roman von Samuel R. Delany mit dem Titel Dunkle Reflexionen über einen Weird Western von Joe R. Lansdale mit dem Titel Straße der Toten und den ersten Band von Tobias O. Meißners Hiobs Spiel (erstmals im Paperback) bis hin zur Neuveröffentlichung von Barbara Slawigs außergewöhnlichen Roman Flugverbot. Von Fans lange erwartet gibt es nun auch den zweiten Band der Abenteuer um Captain Future, Erde in Gefahr. Ein besonderes Highlight ist aber zweifellos der mehrfach preisgekrönte Roman In einer anderen Welt von Jo Walton, der auf den ersten Blick wie ein Fantasy-Roman anmutet, aber dann doch die Herzen der SF-Leser höher schlagen lässt.

Eine umfangreiche Vorschau auf kommende Titel gibt es hier. Und wer zwischendurch wissen will, was bei Golkonda so alles passiert, der sollte gelegentlich mal ins Newsblog von Hannes Riffel schauen, denn dort berichtet er in unregelmäßigen Abständen auf unterhaltsame Weise über Neuigkeiten aus dem Verlag und anderes aus dem Leben eines Verlegers.

SHAYOL: Die Titelmenge bei Shayol ist deutlich geringer als bei Golkonda. Frank Hebben, der seinen ersten Erzählungsband beim Wurdack Verlag vorlegte, ist in seinen neuen Erzählungen in Maschinenkinder deutlich düsterer geworden. Hardy Kettlitz hat vier Jahre an dem Buch Ray Bradbury – Poet des Rakatenzeitalters gearbeitet, das in der Reihe SF PERSONALITY erschienen ist (an dieser Stelle wurde schon mehrfach berichtet). Highlight ist jedoch der neue Erzählungsband von Erik Simon unter dem Titel Zeitmaschinen, Spiegelwelten. Auf der Vorschau-Seite von Shayol ist der Titel Der einheitliche Wille des gesamten Sowjetvolkes von Kir Bulytschow zu finden, der nun doch endlich demnächst erscheinen wird. Hardy Kettlitz berichtete über die Arbeit an den Shayol-Büchern und was noch alles geplant ist. Wer an dem Abend nicht dabei war sollte gelegentlich auf die Vorschau-Seite von Shayol schauen. Es wird interessante Bücher geben!

Simon4Besondere Lesetipps:

Jo Walton
In einer anderen Welt
Ausgezeichnet als bester Roman des Jahres mit dem Hugo Award, Nebula Award und British Fantasy Award.
Übersetzt von Hannes Riffel
Auch als E-Book verfügbar
Alle Informationen zum Buch hier auf der Golkonda-Homepage.

Erik Simon
Zeitmaschinen, Spiegelwelten
Band 4 der Phantastischen Geschichten von Erik Simon
Alle Informationen zum Buch hier auf der Shayol-Homepage.

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