Meine Science Na’utschnaja Voyages Fiction Fantastika Imaginaires

von Christian Schobeß

Dü-dü-düüü!
Der Weltraum – unendliche Weiten!
Dü-dü-düüü!
Es geht wieder los durch Räume und Zeiten!
Die Besatzung der „Enterprise“ wechselt mal,
Aber das Raumschiff mit Warp-Antrieb bleibt total
Die gleiche Chose – mit wechselnden Charakteren.
Wollen wir es, Scotti, nicht zu sehr beschwören?
Ob nun Käpt’n Kirk, Picard, Sisko, Janeway, Archer, Lorca führend –
Wie war das gleich, Mr. Spock? – Fas-zi-nieee-rend!

Na, Leute, darf es mit der Scientific Fiction etwas mehr sein?
Fällt uns zuvor nicht Thomas Morus’ „Utopia“ ein?
Oder Campanellas „La città del Sole“ („Sonnenstaat“)?
Oder was sich Herr Schnabel mit „Insel Felsenburg“ vorgestellt hat?
Ach, komm! Fang jetzt nicht noch beim Urschleim an
Mit Platons „Höhlengleichnis“! Angeber! Dit reicht, Mannomann!

Jules Verne ist doch da schon eine passende Sache.
Der Monsieur aus Nantes, der die Vorgänge beschrieb wie vom Fache:
Seien es nun „Fünf Wochen im Ballon“ gewesen
Oder „Von der Erde zum Mond“ und „Die Reise um den Mond“ mit Getöse,
Ob sie nun steigen zum „Mittelpunkt der Erde“ tief hinab
Oder „20.000 Meilen unter dem Meer“ zu Käpt’n Nemo – fast wie ein Untersee-Ahab!
Oder müssen „Die Kinder des Kapitän Grant“ auf einer Insel stranden
Oder Menschen bei der „Letzten Fahrt der Chancellor“ fast kannibalisch im Tierreich landen?
Hier sind eine Reihe von Meilensteinen gefallen.
Und es tut vor allem der Kanonenschuss zum Mond mächtig knallen.

Warnend dagegen sind Herbert George Wells’ Dystopien,
Da sollten wir den Hochmut begraben und uns um Demut bemühen.
Der Reisende der „Zeitmaschine“ kämpft mit den Eloi
Gegen die Morlocks der Unterwelt, bis es ist (vielleicht) vorbei.
Und beim „Krieg der Welten“ bricht große Panik aus,
Es scheint vorbei zu sein mit Mensch, Tier, Erde und Haus…
Doch die irdischen Keime setzen den Eindringlingen zu!
Mit Orson Welles’ Radioversion gab es in der Realität lange keine Ruh’!

Und Science Fiction im Deutschen? Erst einmal ein „Zukunftsroman“.
Nun lasst doch mal Kurd Laßwitz (Sitzend? Stehend?) „Auf zwei Planeten“ ran!
Bernhard Kellermann lässt lieber einen „Tunnel“ graben,
Und Hans Dominik sieht z. B. „Berlin in 50 Jahren“ erhaben.
Technikutopien – futuristisch, kubistisch,
Aber dann leider auch nationalsozialistisch!
Statt Utopie „Germania“ Holocaust und Trümmerfeld.
Die SF jetzt im zweifachen Deutschland nicht so gefällt.

Ob nun sozialistischer Realismus oder Pulp-Ausgaben?
Dann wird Ost seine Wissenschaftliche Phantastik haben.
Die Sowjets ermöglichen es – und sogar die Brüder Strugazki
Mit „Trudno bytj bogom“ („Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein“) allhie.
Darf Mensch nur zuschauen oder ins Weltgeschehen eingreifen?
Wird diese Erkenntnis auch in Lems „Solaris“ reifen?
Es wabern die Nebel – nicht nur um Kris Kelvin.
Die verstorbene Frau Harey erscheint im Wahn ihm.
Nee, lösen kann das Rätsel auch nicht die Solaris-Enzyklopädie!
Und Don Rumata merkt, daß Gott zu sein, ist Gigantomanie.

Im märchenhaften Geist begehen die Brauns den „Irrtum des Großen Zauberer“,
Denn es siegen die Irrationalen mit Schlangen gegen PC-Rechenmaschinen-Zauber.
Der gewitzte und schlaue Oliver Input
Gibt ganz wie E. T. A. Hoffmann seinen Output.
Und im „Steinmüller-Universum“ blinken auf: „Andymon“, „Pulaster“ und Kilean –
„Der Traummeister“.
Dann stirbt die DDR als Utopie. Hinfort sind diese Geister.
Bei Michael Szameit sind es erst Sonnensteine gleich in einer Trilogie,
Dann stürzt der „Drachenkreuzer Ikaros“ in die Sonne zum Verglüh’n.
Und später wird „Copyworld“ zum Horror – eingesperrt in einer Schopenhauer-Welt!
„Der Wille als Vorstellung“? – Glücklicher Omega-Tag, du Held!

Und in West? Darf es zunächst „Simulacron“ -1, -2 oder -3 sein?
Wo beginnt die reale Welt, wo wird sie noch Fiktion sein?
Die „Welt am Draht“ bei Fassbinder – die oberste Ebene sieht auch nicht besser aus!
„The 13th Floor“ zeigt ebenfalls künstliche Welten zu Haus’!
Ob nun Hall, Stiller oder „Auserwählter“ wie in „Matrix“ –
Voll im Netz und total überwacht! Ohne Wehr geht gar nix!

Ach ja, (Cogito, ergo sum! Ich denke, also bin ich!) René Descartes
Bei „Simulacron-3“! Oder lieber doch Rick Deckard?
Jagt er nun als „Blade Runner“ Replikanten gnadenlos?
Oder ist er vielmehr nicht auch ein solches Exemplar bloß?
„Träumen Androiden (nun bei Philipp Kindred Dick) von elektrischen Schafen“?
Oder wollen wir darüber lieber noch einmal schlafen
Und wachen in „Blade Runner 2049“ wieder auf?
Wie war das? Wer könnte Deckards Nachwuchs sein im Handlungsverlauf?

Oder soll es eine noch härtere Apokalypse à la „Mad Max“ geben,
Wo Gewaltorgien herrschen, Wüstenstürme wehen und die Schweißperlen kleben?
Es kann ja auch ruhig mal sein William Gibsons Cyberpunk –
Ob nun „Neuromancer“, „Biochip“ oder „Mona Lisa Overdrive“ – überall sonst Dreck und Gestank!
Aber dann kommt das Schicksal, es klopft unerbittlich an:
Mit der Melodie: Tamm – tamm – tamm – tamm – ta – ta – tamm – ta – ta – tamm!
Hhhh! Luuuuke! Ich … habe … Asthma!
Quatsch, falscher Text! Ey, los, noch mal!
Tamm – tamm – tamm – tamm – ta – ta – tamm – ta – ta – tamm!
Hhhh! Luuuuke! Ich … bin … dein … Vater!
Scheiße! Der Vater-Sohn-Komplex ist ein Theater!
Anakin versus Luke Skywalker! Die helle gegen die dunkle Macht!
Jedi-Ritter, vereinigt Euch gegen das Imperium der finsteren Nacht!
Dank Meister Yoda gewinnen … können sie … äh … können sie diesen Kampf gewinnen.
Nicht anfangen ich, um diesen Satz zu beginnen…

Und noch die Fantasy! Da-a-a-h! Da-da-da-da-da-da-daaa-da-da!
[Ähhh … Basic Instinct?
Neiiin! Fan-ta-sy!!! Noch mal!]
Da-a-a-h! Da-da-da-da-da-da-daaa-da-da!
Smeagol [Ach so, der!] … will … seinen … Schatz!
Saurons Einer Ring – und darum die ganze Hatz!
Ein Ring, sie zu knechten!
Also zum Schicksalsberg hechten!
Frodo, nun schmeiß ihn doch ins Feuer!
Das gelingt erst Gollum! Na, Oliver Kahn, der hat Eier!

Wie war das mit dem Tannhäuser-Tor? Ich … habe … Dinge … gesehen
(Aha!) Die hat noch kein Mensch vor mir gesehen!
Schön, schön! Aber kann es nicht etwas näher im All sein?
Da fällt uns doch die Jupiter-Region in „2001. A Space Odyssey“ ein!
Dave! Nun … sei … doch … end-lich … ver-nünf-tig!
[H-h-h-h!] Da geht der Astronaut einfach so raus zünftig!
Wehrt sich gegen den Super-HAL-9000, gegen eine Art Übervater,
Spielt an dessen Festplatten herum, bis der kriegt ‘n Kater:
Singt am Ende gar noch „Häns-chen klein…“
Und … schläft … dann … ganz … schön … „offline“ … ein.
Es folgt eine irrwitzige Reise durch ein Monolithen-Sternentor;
„Kyyyy-riii-eee eeee-leee-iii-sooon“
[Ruhig, Brauner!]
Übersetzt: „Kyrie eleison“ von György Ligeti mit einem unheimlich klingenden Chor.
Dave altert und wird wohl als Embryo wiedergeboren?
Na, klingt noch „Also sprach Zarathustra“ nach? Da-da-daaaa! Da-da! Hängt’s dir aus den Ohren?
[Bamm-bamm-bamm-bamm-bamm-bamm!]

Und sind nicht häufig Kuppelstädte Utopien oder Dystopien,
Die Schriftsteller, Regisseure oder Wissenschaftler anziehen?
„Logan’s Run“ – Erneuerung! Noch jung und doch schon ab ins Karussell!
Unterirdisch flieht (trotz Drogenrausch) Nr. „THX-1138“ ganz, ganz schnell!

Es bleiben sicherlich noch etliche andere Werke,
Die ich mir nun wirklich nicht alle merke:
Serie „Dr. Who“, Frank Schätzings „Schwarm“,
Philosophisch-bitter „SAIÄNS-FIKTSCHEN“ von Franz Fühmann,
Parodien wie „Mars Attacks“ oder „Dark Star“
Oder auch mal „Ypsilon Minus“ (Herbert Werner Franke) – geht klar!

Wollen wir „1984“ den Großen Bruder müssen lieben?
Oder gleich im Brutkasten der „Brave New World“ üben?
Die Feuerwehr steht schon bereit,
Bücher in Flammen bei „4-5-1 Fahrenheit“.
Ganz allerliebst – „Raumpatrouille Orion“,
Und beim „Schweigenden Stern“ fliegt ‘n Bügeleisen davon?

Russisch: Snegow oder Jefremow.
Englisch: Heinlein oder Asimov.
Ungarisch? Gyula Fekete, Peter Kuczka oder Mór Jókai?
Chinesisch: Cixin Liu … Oha! Jetzt ist es aber vorbei?
Na, vielleicht noch polnisch? Andrzej Zuławkis Film „Na srebrnym globie“ („Silberner Planet“)?
Nee, komm! Zu anspruchsvoll! Dit is jetze einfach zu spät!
Japanisch? Haruki Murakami!
Ruhe jetzt! Ick mach gleich Harakiri!

Sollen nun wieder die „Digedags“ durch den Kosmos reisen?
Oder soll ich Euch lieber „Strange Days“ verheißen?
Die Science Na’utschnaja Voyages Fiction Fantastika Imaginaires…
Nee, Totgesagte leben länger! Auch wenn ’s fällt manchmal schwer!
Zum Schluss noch ein Wort, wenn auch enervierend:
Na, Mr. Spock! Wat sagn Se nu? – Fas-zi-nieee-rend!